Entwicklung interkultureller Kompetenz in einem kurzfristigen Intensiv-Englischprogramm: Eine Mixed-Methods-Studie

Gvantsa Kiknavelidze, Kennesaw State University

Gvantsa Kiknavelidze is an undergraduate student at Kennesaw State University double majoring in International Relations and Modern Languages and Cultures, with German and Political Science minor. Her research interests include intercultural competence, democratic governance, transnational cooperation, and comparative legal and political systems.

Abstract:

Dieses Projekt analysiert den Einfluss des Programms auf die Entwicklung ihrer interkulturellen Kompetenz (IK) und untersucht zudem die Einstellungsdispositionen und Verhaltensweisen von Mitstudierenden und Lehrkräften. Durch einen Mixed-Methods-Ansatz trianguliert diese Studie Daten aus Vor- und Nachtests, aus Einstellungsumfragen von Lernenden und Lehrkräften sowie aus Fokusgruppen-Interviews mit zwei Teilnehmergruppen und Lehrkräften. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Weiterentwicklung der interkulturellen Kompetenz der Teilnehmenden. Obwohl die Ergebnisse nicht verallgemeinerbar sind, könnten sie Auswirkungen auf die Programm- und Unterrichtsgestaltung sowie auf Strategien zur Förderung des Studienerfolgs haben. Die Studienergebnisse werden mit den Sitzungsteilnehmenden geteilt, um eine weiterführende Diskussion und Überprüfung zu ermöglichen.

 1)  Forschungsfrage:

Die Studie untersucht ein sechswöchiges intensives Englischprogramm für siebzehn deutsche Azubis und vergleicht deren Fortschritte mit einer Gruppe von neun Studierenden, die an einem achtwöchigen Programm teilgenommen haben. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Auswirkungen haben internationale Lernerfahrungen auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz? Diese Frage ist Teil einer umfassenderen Untersuchung von drei Schlüsselbereichen: interkulturelle Kompetenz, Sprachkompetenz sowie Veränderungen in Einstellungen und Verhaltensweisen. Ziel der Studie ist es zu bestimmen, inwiefern kurzfristige, intensive Sprachprogramme im Ausland nicht nur die Englischkenntnisse der Teilnehmenden beeinflussen, sondern auch ihre Fähigkeit, sich in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zurechtzufinden und anzupassen.

2)  Einleitung:

Interkulturelle Kompetenz hat keine einheitliche, endgültige Definition. Sie wird von den Wissenschaftlern Spitzberg und Chagnon als "the appropriate and effective management of interaction between people who, to some degree or another, represent different or divergent affective, cognitive, and behavioral orientations to the world" definiert, kann jedoch auch verschiedene andere Definitionen annehmen. Die zentrale Frage, die gestellt werden sollte, ist, ob interkulturelle Kompetenz erlernt werden kann. Viele Modelle der interkulturellen Kompetenz zeigen, dass sie aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren resultiert. Wenn einige dieser Faktoren erlernt werden können, während andere angeboren sind, folgt daraus, dass selbst bei gleichen Lernmöglichkeiten Menschen unterschiedliche Kompetenzniveaus erreichen können. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass bestimmte Faktoren wie Ethnozentrismus die

Entwicklung interkultureller Kompetenz behindern. Daher ist es zwar möglich, die eigene interkulturelle Kompetenz durch Lernen zu verbessern, jedoch wird nicht jeder dasselbe Niveau erreichen (Arasaratnam L., 2016).

Allein das Wissen über interkulturelle Kompetenz macht eine Person nicht zwangsläufig zu einem effektiven Kommunikator in diversen Umgebungen. Entwicklungsmodelle der interkulturellen Kompetenz legen nahe, dass Lernen ein schrittweiser Prozess ist, der davon abhängt, wie Individuen auf Erfahrungen reagieren und neues Wissen reflektieren (Saunders, Haskins & Vasquez et al., 2015). Es gibt auch Hinweise darauf, dass kooperatives Lernen die Entwicklung interkultureller Kompetenz erleichtert (Helm, 2009; Zhang, 2012). "Thus, it is fair to conclude that, while there is the potential for one to improve one’s intercultural competence through learning, not all can or will" (Arasaratnam L., 2016).

Die wachsende Nachfrage nach verbesserter interkultureller Kompetenz in diesem Jahrhundert unterstreicht ihre Bedeutung: "Intercultural competence has been shown to be a necessary asset in the increasingly globalized world, with individuals expected to perform appropriately and effectively during intercultural exchanges" (Zhou M; Zhang X, 2019). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Individuen ihre interkulturelle Kompetenz verbessern können. Obwohl es sich um einen lebenslangen Prozess handelt und keine einzelne Methode eine verbesserte IK garantiert, können Studierende bestimmte Maßnahmen ergreifen, um ihr Bewusstsein für IK zu schärfen. Eine besonders wirksame Methode ist der Aufenthalt im Ausland: "the findings of meta-analyses suggest that overseas immersion exerts a larger effect on IK improvement than do other types of intervention" (Zhou M; Zhang X, 2019). Während sich viele Studien auf langfristige Austauschprogramme oder längere Englischsprachaufenthalte in den USA konzentriert haben, gibt es nur begrenzte Forschung zu den Auswirkungen kurzfristiger Englischprogramme (McNair et al., 2020).

 3)  Methodologie:

Diese Studie verwendete eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden, um die Wirksamkeit des intensiven Englischprogramms zu bewerten. Die Datenerhebung erfolgte mittels drei primärer Instrumente:

  1. Pre- und Post-Sprachtests (PPLT): Diese wurden mündlich und schriftlich durchgeführt und umfassten zwei Gruppen: 17 deutsche Azubis sowie 3 weitere Teilnehmer:innen des 8-wöchigen Programms.
  2. Einstellungsumfragen: Diese wurden in drei Gruppen erhoben - 4 Lehrkräfte, 17 deutsche Programmteilnehmer:innen (Azubis) und 9 weitere Teilnehmer:innen des 8- wöchigen Programms.
  3. Fokusgruppeninterviews (FGI): Insgesamt wurden alle drei Fokusgruppen

Die Hauptgruppe der Teilnehmenden bestand aus 17 deutschen Auszubildenden („Azubis“), die im Rahmen des „Azubis in USA“-Programms der Joachim Herz Stiftung für sechs Wochen an der Kennesaw State University in Georgia, USA, studierten. Während ihres Aufenthalts belegten sie unterschiedliche Universitätskurse entsprechend ihren beruflichen Interessen, verbesserten ihre Englischkenntnisse und trainierten ihre interkulturellen Kompetenzen. Zusätzlich unternahmen sie wöchentliche Besuche bei lokalen Unternehmen, um praxisnahe Einblicke in die US-amerikanische Arbeitswelt zu erhalten.

·      Pre- und Post-Tests (PPLT)

Um die Englischkenntnisse der Teilnehmenden vor und nach dem Programm zu messen, wurden Pre- und Post-Sprachtests durchgeführt. Diese Tests lieferten direkte quantitative Daten als Beweis für den sprachlichen Fortschritt. Die schriftliche Komponente wurde mit dem CaMLA English Placement Test bewertet – einem 80-Fragen- Multiple-Choice-Test, der in Zusammenarbeit mit der Cambridge University und der University of Michigan entwickelt wurde. Dieser standardisierte und validierte Test misst das Leseverstehen, Hörverstehen und die Sprachverwendung und bietet eine zuverlässige Einschätzung des sprachlichen Fortschritts.

Zusätzlich wurde eine mündliche Prüfung durchgeführt, die aus zehn Fragen bestand und vom KSU Intensive English Programm (IEP) entwickelt wurde. Die mündliche Komponente nutzte Bilder und Impulse, um Azubis unterschiedlicher Sprachniveaus zu aktivieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, entsprechend ihren Fähigkeiten zu antworten.

·      Einstellungsumfragen (Attitudinal surveys)

Einstellungsumfragen wurden sowohl an die Lernenden als auch an die Lehrkräfte verteilt. Diese Umfragen lieferten indirekte quantitative Daten und gaben Einblicke in die Wahrnehmung der Auswirkungen des Programms auf die Sprachfähigkeiten und das interkulturelle Verständnis. Die Umfragen bestanden aus 28 Aussagen auf einer vierstufigen Likert-Skala, die von "stimme überhaupt nicht zu" bis "stimme voll und ganz zu" reichte. Zudem wurden 10 demografische Fragen einbezogen, um Unterschiede zwischen den Teilnehmenden zu berücksichtigen. Die elektronische Verfügbarkeit der Umfragen erleichterte sowohl die Verteilung als auch die Datenauswertung und trug dazu bei, ein breiteres Verständnis der Perspektiven der Teilnehmenden zu gewinnen.

·      Fokusgruppeninterviews (FGI)

Zusätzlich zu den quantitativen Daten wurden qualitative Erkenntnisse durch Fokusgruppeninterviews (FGI) erhoben. Diese Interviews hatten das Ziel, die differenzierten Wahrnehmungen der Lernenden und Lehrkräfte hinsichtlich der Programmwirkung zu erfassen. Die Fokusgruppen wurden persönlich durchgeführt und boten eine offene Umgebung, in der die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und Meinungen teilen konnten. Zwei verschiedene Sets von Fragen wurden entwickelt - 11 für die Teilnehmer und 13 für die Lehrkräfte - um Themen wie wahrgenommene Verbesserungen der Sprachfähigkeiten, kulturelle Anpassung und die allgemeine Programmauswirkung zu untersuchen. Für diese Studie wurden ausschließlich die Fokusgruppeninterviews (FGI) und die Einstellungsumfragen zur Untersuchung der interkulturellen Kompetenz herangezogen. Die Sprachtests dienten primär der Messung des Sprachfortschritts und waren daher weniger relevant für die Bewertung interkultureller Kompetenz.

4)  Ergebnisse der Studie aus den Fokusgruppeninterviews:

Neben den Einstellungsumfragen lieferten auch die Fokusgruppeninterviews wertvolle Einblicke in die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Teilnehmenden in Bezug auf interkulturelle Kompetenz. Die Teilnehmer bewerteten das Programm durchweg als wertvoll, da es ihr Selbstvertrauen stärkte und ihr Verständnis kultureller Werte insbesondere die Betonung von harter Arbeit und Ehrlichkeit in der amerikanischen Kultur verbesserte. Sie berichteten, dass sie während ihrer Interaktionen eher Respekt als Diskriminierung erfuhren, was sich positiv auf ihr Selbstbewusstsein beim Kommunizieren mit anderen auswirkte. Darüber hinaus entwickelten die Studierenden ein größeres Bewusstsein für ihre eigenen kulturellen Vorurteile und ein differenzierteres Verständnis verschiedener kultureller Praktiken, darunter die Einhaltung des Ramadans und unterschiedliche soziale Verhaltensweisen. Diese Erfahrungen erweiterten ihre Perspektive auf kulturelle Unterschiede und verbesserten ihre Fähigkeit, sich in vielfältigen kulturellen Normen und Kontexten zurechtzufinden, insbesondere in Bezug auf Schule, Sport, Nationalstolz, Politik und alltägliche Verhaltensweisen wie Blickkontakt oder das Offenhalten von Türen.

Die Azubis/Studierenden betonten, dass der Austausch mit anderen Kulturen nicht nur ein tieferes Verständnis für diese Kulturen vermittelte, sondern auch ihr Verständnis für die Menschen selbst vertiefte. Sie stellten fest, dass die Auseinandersetzung mit verschiedenen kulturellen Praktiken ihnen half, kulturelle Unterschiede besser zu schätzen und zu verstehen.

Zurück zur Forschungsfrage über die Wirksamkeit von kurzfristigen intensiven Sprachprogrammen im Ausland: Die Ergebnisse aus den Einstellungsumfragen und Fokusgruppeninterviews zeigen, dass das Programm erfolgreich die interkulturelle Kompetenz entwickelte und dies war nur eines der vier Hauptthemen, die wir identifizierten.

5)  Ergebnisse der Studie aus den Einstellungsumfragen:

Die Bedeutung interkultureller Kompetenz wurde von den Teilnehmenden deutlich erkannt, wie aus den Einstellungsumfragen hervorgeht. Dabei nannten die Studierenden ihr persönliches Interesse an fremden Menschen, Sprachen, Kulturen und Reisen als einen der wichtigsten Gründe für ihre Teilnahme am Intensivsprachprogramm mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,75, was dem Wert der Lehrkräfte entspricht. Die von uns durchgeführte Forschung lieferte aufschlussreiche Erkenntnisse über die Entwicklung der interkulturellen Kompetenz, insbesondere aus der Perspektive der Teilnehmender und ihrer Lehrkräfte. Durch Einstellungsumfragen erhoben wir quantitative Daten, die es uns ermöglichten, die Perspektiven beider Gruppen zu verschiedenen Aspekten von IK zu vergleichen. Die Ergebnisse zeigten sowohl Übereinstimmungen als auch Unterschiede zwischen den Sichtweisen der Studierenden (einschließlich Azubis) und Lehrkräfte. Ein wesentlicher Bereich der Übereinstimmung war die Nutzung angemessener und respektvoller Strategien beim Lernen über Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Beide Gruppen bewerteten diesen Aspekt mit der höchsten durchschnittlichen Punktzahl von 3,50, was auf eine gemeinsame Anerkennung seiner Bedeutung für die Förderung interkultureller Kompetenz hinweist. Die Teilnehmenden waren sich außerdem einig darüber, dass ihr Verhalten in mancher Hinsicht von der US-amerikanischen Kultur abweichen könnte. Beide Gruppen bewerteten diesen Punkt ähnlich, mit einem Durchschnittswert von 3,50, was auf ein gemeinsames Verständnis der während des Programms erlebten kulturellen Unterschiede hindeutet. So berichteten mehrere Azubis beispielsweise, dass in den USA bestimmte Alltagsverhaltensweisen wie das bewusste Offenhalten von Türen oder das offene Zeigen von Nationalstolz häufiger vorkommen als in Deutschland. Auch das Thema politischer Meinungsäußerung oder das Verhalten bei Sportveranstaltungen wurde als kulturell unterschiedlich wahrgenommen.

Allerdings zeigte die Studie auch deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung anderer Aspekte der interkulturellen Kompetenz. Die größte Diskrepanz bestand hinsichtlich der wahrgenommenen Bedeutung der Frage, welche Fähigkeiten US-Arbeitgeber oder Universitäten bei der Einstellung oder Zulassung eines Kandidaten als entscheidend betrachten. Die Azubis und die Studierende bewerteten diesen Aspekt mit der niedrigsten durchschnittlichen Punktzahl von 2,50, was darauf hindeutet, dass dieser Aspekt für ihre IK-Entwicklung eine vergleichsweise geringe Priorität hatte. Im Gegensatz dazu hielten die Lehrkräfte dieses Thema für deutlich wichtiger und vergaben die höchste Bewertung von 3,50.

Weitere Durchschnittswerte der IK-bezogenen Aussagen, geordnet von höchster zu niedrigster Punktzahl, folgen:

  • Nutzung angemessener und respektvoller Strategien: Sowohl Studierende als auch Lehrkräfte bewerteten die Bedeutung von respektvollen Strategien für das interkulturelle Lernen hoch (3,50).
  • Kenntnis von Verhaltensunterschieden: Azubis (und die Studierende) erkannten an, dass ihr eigenes Verhalten, von dem typischen Verhalten in der US-Kultur abweichen kann (3,50).
  • Flexibilität und Anpassung des Verhaltens: Die Fähigkeit, das eigene Verhalten anzupassen, wurde mit 3,38 bewertet.
  • Bereitschaft zur alternativen Interaktion: Die Bereitschaft, trotz kultureller Unterschiede alternative Kommunikationsweisen zu nutzen, erhielt 3,25.
  • Effektive interkulturelle Kommunikation: Azubis (und die Studierende) bewerteten ihre Fähigkeit, effektiv mit Menschen aus anderen Kulturen zu kommunizieren, mit 3,13.
  • Verständnis grundlegender kultureller Werte: Das Bewusstsein für zentrale Werte der US-Kultur wurde ebenfalls mit 3,13 bewertet.
  • Erkennen kultureller Wahrnehmungsunterschiede: Die Fähigkeit, Gründe für kulturelle Wahrnehmungsunterschiede zu identifizieren, erhielt 2,88.
  • Effektives Arbeiten mit vielfältigen Hintergründen: Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft wurde ebenfalls mit 2,88 bewertet.
  • Bedeutung sozio-politischer Faktoren: Azubis (einschließlich die Studierende) und Lehrkräfte betrachteten das Verständnis sozio-politischer Einflussfaktoren als weniger relevant (2,75).
  • Bewusstsein für kritische Fähigkeiten in der Arbeitswelt: Azubis und die Studierende bewerteten dieses Kriterium mit 2,50, während Lehrkräfte es mit 3,00 als bedeutender

Die Struktur der Einstellungsumfragen erlaubte es, sowohl affektive Einstellungen als auch kognitive Einschätzungen zur interkulturellen Kompetenz zu erfassen. Interessant ist dabei, dass die höchsten Zustimmungswerte bei Aussagen erzielt wurden, die auf Verhaltensebene und unmittelbare soziale Interaktion abzielen. Dies könnte darauf hindeuten, dass solche Aspekte für die Teilnehmenden intuitiver zugänglich oder leichter beobachtbar waren. Dagegen wiesen Aussagen, die abstraktere oder strukturelle Kompetenzen betrafen wie das Verständnis sozio- politischer Einflüsse oder die Erwartungen des US-Arbeitsmarkts insgesamt niedrigere Bewertungen auf. Es stellt sich daher die Frage, ob bestimmte Themen im Programm stärker erfahrbar oder greifbarer vermittelt wurden als andere.

Darüber hinaus lässt sich aus den Verteilungsmustern der Bewertungen ableiten, dass die Befragten selektiv auf Themen reagierten, die sie entweder als unmittelbar relevant oder als bereits vertraut empfanden. Dies könnte ein Hinweis auf die Notwendigkeit einer bewussteren didaktischen Verankerung der weniger sichtbaren Aspekte interkultureller Kompetenz sein.

Beispielsweise könnte die vergleichsweise schwache Bewertung sozio-politischer Faktoren nicht nur ein Zeichen fehlenden Vorwissens sein, sondern auch eine Folge davon, dass diese Aspekte im Programm nicht explizit thematisiert oder reflektiert wurden.

6)  Diskussion der Ergebnisse und die Implikationen und Empfehlungen für zukünftige Programme:

Die Ergebnisse unserer Studie verdeutlichen eine kritische Wissenslücke bei dem Teilnehmer, insbesondere in Bereichen, die von den Lehrkräften als äußerst wichtig erachtet werden. Beispielsweise zeigten die Studierenden eine begrenzte Kenntnis über die sozio- politischen Faktoren, die sowohl ihre Heimatkultur als auch die US-amerikanische Kultur prägen. Dies spiegelt sich in der niedrigen Bewertung von 2,75 für das Verständnis sozio- politischer Faktoren wider, was darauf hindeutet, dass dieser Bereich als weniger essenziell wahrgenommen wurde. Zudem bewerteten die Studierenden die Fähigkeit, die Gründe hinter unterschiedlichen kulturellen Wahrnehmungen zu erkennen, ebenfalls nur mit 2,88 -ein Hinweis auf eine eher oberflächliche Auseinandersetzung mit tieferliegenden kulturellen Kontexten.

Ebenso waren sie weniger vertraut mit den Schlüsselqualifikationen, die von US-amerikanischen Arbeitgebern oder Universitäten bei der Einstellung oder Zulassung von Kandidaten priorisiert werden. Dies zeigt sich darin, dass die Studierenden diesem Punkt mit einem Durchschnittswert von nur 2,50 die geringste Bedeutung beimaßen, während Lehrkräfte ihn mit 3,00 als den wichtigsten einstuften. Beispiele für solche Kompetenzen sind Teamarbeit, Anpassungsfähigkeit und effektive interkulturelle Kommunikation. Im Gegensatz dazu stuften die Lehrkräfte diese Themen als wesentlich bedeutsamer ein, was auf eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Studierenden und den Erwartungen der Lehrkräfte hinweist.

Diese Unterschiede legen nahe, dass Soft Skills wie interkulturelle Kommunikation und Anpassungsfähigkeit zwar entscheidend sind, jedoch ein dringender Bedarf besteht, Lehrmaterialien zu entwickeln und zu integrieren, die das Verständnis der Studierenden für diese kritischen sozio-politischen und beruflichen Faktoren verbessern. Zukünftige Programme sollten daher die Entwicklung pädagogischer Module in Betracht ziehen, die speziell auf diese Wissenslücken eingehen. Solche Maßnahmen könnten sicherstellen, dass die Studierenden nicht nur über die notwendigen Soft Skills verfügen, um sich in interkulturellen Umfeldern zurechtzufinden, sondern auch ein tieferes, differenzierteres Verständnis für die sozio-politischen Kontexte und beruflichen Anforderungen entwickeln, denen sie in ihrem akademischen und beruflichen Werdegang begegnen werden. Außerdem könnten Programme davon profitieren, Gelegenheiten zu schaffen, in denen Studierende direkt mit vielfältigen beruflichen Umfeldern in Kontakt treten, etwa durch Simulationen, Gastvorträge oder Praktika, um den praktischen Nutzen dieser Fähigkeiten im realen Kontext besser zu erkennen. Dies könnte nicht nur die Kompetenzentwicklung fördern, sondern auch die intrinsische Motivation und das Bewusstsein für die Relevanz stärken.

Darüber hinaus sollten zukünftige Studien untersuchen, wie effektiv verschiedene didaktische Ansätze bei der Vermittlung dieses kritischen Wissens sind. Durch den Vergleich verschiedener pädagogischer Strategien könnten Forschende die wirksamsten Methoden zur Schließung dieser Wissenslücken identifizieren und die Studierenden besser auf die Anforderungen des globalen Arbeitsmarktes vorbereiten.

Aufgrund der geringen Stichprobengröße und der begrenzten Datenlage können die Ergebnisse dieser Forschung nicht generalisiert werden.

Zitationen:

Arasaratnam, Lily A. “Intercultural Competence.” Oxford Research Encyclopedia of Communication., Feb. 2016, doi.org/10.1093/acrefore/9780190228613.013.68.

Zhang, Xiaotian, and Mingming Zhou. “Interventions to Promote Learners’ Intercultural Competence: A Meta-analysis.” International Journal of Intercultural Relations, vol. 71, July 2019, doi.org/10.1016/j.ijintrel.2019.04.006.